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„Warten auf den Vater“ – Buchvorstellung in der Merziger Stadtbibliothek

Anfang des Monats konnte Bürgermeister Marcus Hoffeld Frau Dr. Tatjana Böhme-Mehner zur Vorstellung ihres Buches „Warten auf den Vater“ begrüßen, was kaum passender sein konnte, jährt sich doch in diesem Jahr der Fall der Berliner Mauer zum dreißigsten Mal.

Die promovierte Musikwissenschaftlerin und Autorin ist die Tochter eines Mannes, der 1989 für die meisten Menschen der damals noch real existierenden DDR aus dem Nichts aufstieg.

Bei der Gründung der Ost-SPD wird er erst Geschäftsführer, später Parteichef.

Vor der Volkskammerwahl im März 1990 gilt er als Anwärter auf den Posten des Ministerpräsidenten. Doch dann wird er als Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit enttarnt und taucht ab, seit 1969 war er der IM „Maximilian“.

Die Tochter des Untergetauchten hat vermieden zu erzählen, wer ihr Vater ist. Wuchs sie doch in einer Familie auf, in der sie weitestgehend von ihrer Mutter Evelyn und ihren Großeltern betreut wurde. Ihre Kindheit verbrachte sie in der 5000 Einwohner zählenden Gemeinde Triptis, später dann in Gera, wo die Mutter am Theater arbeitete.

Der Titel ist kein reißerisches Enthüllungsbuch, sondern ein Buch über die Beziehung zu einem Vater, der kam und ging wann er wollte, Verabredungen nicht einhielt oder urplötzlich unangekündigt bei der Familie auftauchte. Dieser „Ab-und Zu-Vater“ war kein mit Empathie gesegneter Mensch.

Was seiner Tochter jedoch in guter Erinnerung ist, sie liebt bis heute den Witz ihres Vaters. Er verstarb 55-jährig, zerbrochen an den Veränderungen, die der Systemwechsel, den die Bevölkerung erkämpft hatte, mit sich brachte.

Das Erbe musste Tatjana Böhme-Mehner ausschlagen, sein anonymes Grab besucht sie nie, jedoch bedauert sie verständlicherweise sehr, dass sie kein Bildmaterial besitzt, denn jeder Mensch hängt an Erinnerungsstücken, die die eigenen Wurzeln betreffen.

Eine wirkliche Heimat fand die Autorin erstmals, als sie längere Zeit in Paris tätig war. Seit 2015 lebt sie in Merzig, arbeitet an der Luxemburger Philharmonie und betonte gegenüber den Besuchern ihrer Lesung, dass sie beim Abbiegen von der Autobahn nach Merzig auch hier ein heimeliges Gefühl verspürt.

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