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Reichspogromnacht

Gedenkveranstaltungen in Merzig und Brotdorf

In der Kreisstadt Merzig fanden am 09. und 10. November Gedenkveranstaltungen zur Reichpogromnacht statt.

So wurde an der Gedenktafel in der „Synagogenstraße“ in der Kernstadt und am Gedenkstein an der Ecke „Hausbacher Straße“/„Helenenstraße“ im Stadtteil Brotdorf mit einer Kranzniederlegung der Ereignisse des 07. bis 13. November 1938 gedacht und somit ein Zeichen gegen Antisemitismus, Gewalt und Hass gesetzt.

Die November-Pogrome in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 markieren den Übergang des nationalsozialistischen Regimes von der Diskriminierung der deutschen Juden zu ihrer systematischen Verfolgung, die letztlich im Holocaust endete.

Der staatliche Antisemitismus der Nationalsozialisten, der mit der Machtergreifung im Jahre 1933 begonnen hatte, führte dazu, dass in der Reichspogromnacht mehr als 1.400 Synagogen, Tausende jüdische Geschäfte, Arztpraxen, Betriebe und Wohnhäuser in Deutschland und Österreich binnen weniger Stunden beschädigt oder zerstört wurden. Auch in unserer Stadt kam es in dieser Nacht zu Übergriffen gegen jüdische Bürgerinnen und Bürger. Wohnungen und Geschäfte wurden zerstört und die Synagogen in Merzig und Brotdorf in Brand gesetzt.

Mit den Veranstaltungen in Merzig und Brotdorf rief die Kreisstadt Merzig zum Gedenken an diese furchtbaren Ereignisse auf und erinnerte daran, dass sich die Geschichte nicht wiederholen darf.

Gerade in der aktuellen Zeit, in der die Zahl extremistischer Taten durch das Anbringen verfassungsfeindlicher Symbole und körperlichen Anfeindungen gegenüber Geflüchteten in trauriger Art und Weise steigt, und in Teilen wieder eine aus der Zeit des Nationalsozialismus bekannte Rhetorik verwendet wird, müssen sich alle ihrer persönlichen Verantwortung bewusst sein und sich aktiv gegen jegliche Form von Diskriminierung und Hetze einsetzen – online und offline. Denn auch in den sozialen Medien nehmen menschenverachtende Texte zu. Merzig ist und bleibt eine offene und tolerante Stadt, erklärte Bürgermeister Marcus Hoffeld und rief dazu auf, die Stimme zu erheben, wann immer es notwendig ist und nicht zuzulassen, dass Menschen wegen ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder der sexuellen Orientierung diskriminiert, verfolgt oder bedroht werden. Nur so können alle gemeinsam zu einem friedlichen Umgang miteinander beitragen.

Während der beiden Gedenkveranstaltungen dankte Bürgermeister Marcus Hoffeld den Kirchengemeinden und Religionsgemeinschaften in der Kreisstadt Merzig, die sich aktiv um Integration und ein friedvolles Miteinander in der Gesellschaft bemühen. Darüber hinaus lobte er das große Engagement aus der Mitte der Bürgerschaft.

Auch junge Menschen setzten am Mittwochmorgen ein Zeichen gegen das Vergessen. Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums am Stefansberg, des Peter-Wust-Gymnasiums und der Jean-Francois-Boch-Schule wirkten aktiv an der Gedenkveranstaltung in der „Synagogenstraße“ mit.

Benjamin Chait, Kantor der Synagogengemeinde Saar, und Frau Buchberger von der Initiative „Omas gegen Rechts“ richteten ebenfalls Wortbeiträge an die Anwesenden, darunter auch Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich und Dr. Roland Rixecker, den Antisemitismusbeauftragten der saarländischen Landesregierung.

Am Ende der Trauerfeier wurden Blumen an den beiden Stolpersteinen für Sara und Julius Frenkel niedergelegt. Sie wohnten im sogenannten Kantehaus neben der Synagoge und wurden mit Waffengewalt gezwungen, den Synagogenschlüssel herauszugeben. Beide starben auf tragische Weise (Sara Frenkel nach der Deportierung in das Ghetto Lstrokodz, Julius Frenkel kam in Auschwitz ums Leben.

In Brotdorf gedachten Bürgermeister Marcus Hoffeld und Ortsvorsteher Torsten Rehlinger gemeinsam der Opfer des Nationalismus. Vor der Kranzniederlegung zitierte Frau Buchberger, wie bereits am Vortag in Merzig, das bewegende Gedicht „Der Kamin“, das die 13-jährige Ruth Klüger 1944 im Konzentrationslager Auschwitz verfasst hatte.

 

Bildergalerie

Das Foto zeigt Bürgermeister Marcus Hoffeld und Ortsvorsteher Torsten Rehlinger, die dem Gedicht
Das Foto zeigt Bürgermeister Marcus Hoffeld, Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich und Dr. Roland Rixecker, den Antisemitismusbeauftragten der saarländischen Landesregierung, bei der Kranzniederlegung in der Synagogenstraße.
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