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Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht in Merzig

„Ihr seid nicht schuld an dem, was war, aber verantwortlich dafür, dass es nicht mehr geschieht.“ Diese Worte stammen von Max Mannheimer, einem Überlebenden des Holocaust. Damit sich die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht wiederholen, erinnert die Kreisstadt Merzig jedes Jahr mit einer Gedenkveranstaltung und einer Kranzniederlegung an die abscheuliche Tat, die sich in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ereignete. In dieser Nacht kam es in ganz Deutschland, auch bei uns in Merzig, zur Reichspogromnacht: Mit roher Gewalt gingen Nationalsozialisten und Bewohner der Städte und Orte gegen ihre jüdischen Mitbürger vor, zündeten ihre Gotteshäuser an, beschädigten ihre Geschäfte, wie in Merzig in der Poststraße, und verwüsteten ihre Friedhöfe.

„Es war eine schreckliche Nacht, nach der nichts mehr so wie früher war“, sagte Bürgermeister Marcus Hoffeld. „In dieser Nacht konnte jeder sehen, dass der Antisemitismus und Rassismus von den Nazi-Verbrechern gewollt war“, führte Hoffeld weiter aus. Schon vor dieser Nacht erlebten Juden in ganz Deutschland eine Entrechtung, indem ihnen unter anderem das politische Recht sowie das Wahlrecht aberkannt und Ehen zwischen Juden und Ariern für nichtig erklärt wurden. Juden wurden diskriminiert, ausgegrenzt und Opfer von Gewalttaten sowie Verfolgung, weil sie für die Nationalsozialisten und ihre Anhänger als Menschen weniger wert waren. „Heute hören wir wieder die Rhetorik derer, die hetzen und Hass verbreiten. Wir werden Zeugen von rassistischen und antisemitischen Taten“, sagte Hoffeld und verwies auf den antisemitischen Anschlag auf eine Synagoge in Halle im September 2019.

„Hier beginnt unsere Verantwortung gegen Fremdenhass und Ausgrenzung und diese Verantwortung muss jeder übernehmen: In seinem sozialen Umfeld und in den sozialen Netzwerken“, forderte Hoffeld und bekundete angesichts der Vielzahl an Teilnehmern zur Gedenkveranstaltung: „In Merzig stehen wir alle zusammen. Die Geschichte darf sich nicht wiederholen. Wir vergessen nicht!“

Ähnliche Worte kamen auch von Ricarda Kunger von der Synagogengemeinschaft in Saarbrücken, die beschwor „aufmerksam zu bleiben“ und „nicht wegzusehen“, sondern solidarisch zusammenzuhalten. „Wir hören oft, es müsse inzwischen genug sein mit dem Gedenken, aber das geht nicht. Wir können nicht einen Teil aus der Geschichte streichen“ und nur das Angenehme wahrnehmen, sagte sie.

Die musikalische Gestaltung übernahm in diesem Jahr erstmals die Initiative „Omas gegen Rechts“, die Lieder aus dem katholischen Gotteslob mit der Melodie von Oyfn Pripetshik sangen. Die Initiative engagiert sich gegen Fremdenhass und menschenfeindliches Gedankengut sowie Rassismus und Ausgrenzung.

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