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Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht in Merzig

Als vor 80 Jahren Synagogen und Geschäfte von Juden von Nationalsozialisten gezielt geplündert und zerstört wurden, blieb auch das jüdische Gotteshaus in der Synagogenstraße in Merzig vor dieser brutalen Gewalt nicht verschont. Gleichermaßen wurde der naheliegende jüdische Friedhof in dieser Nacht verwüstet.

Bürgermeister Marcus Hoffeld begrüßte zur Gedenkveranstaltung an die Reichspogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 zahlreiche Bürger der Kreisstadt, die in Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten zur Gedenktafel der Merziger Synagoge gekommen waren. Neben Pastor Bernd Schneider, der als Vertreter der Kirchengemeinden anwesend war, setzten auch der saarländische Landtagspräsident Stephan Toscani, die Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich, die Landtagsabgeordnete Martina Holzner, der Erste Beigeordnete Dieter Ernst und Ortsvorsteher Manfred Klein ein Zeichen gegen das Vergessen. Bürgermeister Marcus Hoffeld begrüßte darüber hinaus einige Oberstufenschülerinnen und -schüler des Gymnasiums am Stefansberg mit dem Studiendirektor Klaus-Dieter Silvanus und Annemay Regler-Repplinger, „die sich schon viele Jahre mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Merzig auseinander setzt“ und die Gestaltung der Gedenkveranstaltung mit den Schülern übernahm.

Gemeinsam mit ihnen legte der Bürgermeister in Gedenken an die Reichspogromnacht einen Kranz nieder und erinnerte somit an die Pogrome, die in dieser Nacht in ganz Deutschland stattfanden. Durch den staatlich anerkannten Antisemitismus der Nationalsozialisten nach der Machtergreifung im Jahr 1933 begann damit die grausame Verfolgung und Vernichtung von Juden.

„Wir vergessen nicht!“, sagte Bürgermeister Hoffeld und ergänzte: „Wir wollen uns diesen Verbrechen der Vergangenheit stellen, genauso wie den daraus folgenden Verpflichtungen für die Gegenwart und für die Zukunft“. So erinnerte Hoffeld stellvertretend für die jüdischen Mitbürger, die dem Terror zum Opfer fielen, an Julius und Sara Frenkel, für die die Stadt bereits 2014 Stolpersteine verlegen ließ. Im Zuge dessen verurteilte Hoffeld die Anhänger und Verbreiter von Rassismus, Antisemitismus sowie Rechtspopulismus, die mittlerweile auch in Parlamenten ihren Sitz fanden. „Hass, Hetze und Ausgrenzung sind keine Phänomene, die lediglich als Teil der Vergangenheit existieren – sie sind auch in unserem Land präsent.“ Aufgrund dessen betonte er: „Lassen Sie uns heute gemeinsam ein deutliches Zeichen setzen. Wir werden nicht zulassen, dass Menschen aufgrund ihrer Rasse, Herkunft oder ihres Glaubens diskriminiert, verfolgt oder bedroht werden.“ Allen Bürgern dankte er für ihr Engagement, in der Kreisstadt Orte des Erinnerns zu schaffen und dauerhaft auf Taten und Opfer hinweisen. Dazu zählt unter anderem Annemay Regler-Repplinger, die an Merzigs bedeuteten Schriftsteller Gustav Regler erinnert. „Gustav Regler setzte sich zu seinen Lebzeiten für interkulturelle und internationale Verständigung ein – er mahnte eindringlich zu Toleranz und friedlichem Zusammenleben“, sagte Hoffeld und zeigte sich hinsichtlich der Teilnahme der Kreuzbergschule und des Gymnasiums am Stefansberg zuversichtlich, „dass auch in Zukunft in unserer Stadt kein Platz für Menschenverachtung, Antisemitismus, Hass und jegliche Gewalt gegen Menschen ist.“ Für Hoffeld zeigen die Schüler damit Courage gegen Gewalt und Ausgrenzung und er bat sie um weiterhin aktive Mitarbeit.

„Erinnern bedeutet, an Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu denken“, sagte der saarländische Landtagspräsident Stephan Toscani und erläuterte, wie die systematische Ausgrenzung möglich war: „Weil die Nazis durch ihr Regime vorgemacht haben und diktierten, dass Juden nicht zur Gesellschaft dazu gehören“, erklärte Toscani und vergegenwärtigte die Nürnberger Gesetze sowie das Reichsbürgergesetz, das Juden jegliche Würde entriss. Man sprach ihnen das Wahlrecht ab, eine Ehe mit Ariern war verboten, ihre Geschäfte wurden gekennzeichnet und offen zur Zielscheibe von Gewalt. „Dieses teuflische Muster der Ausgrenzung gilt es zu erkennen und dafür zu sorgen, dass es nicht mehr passiert“, sagte Toscani. Daher appellierte der Landtagspräsident an die Achtsamkeit der Gesellschaft und rief dazu auf, nicht zu schweigen, sondern „den Mund aufzumachen“. Darüber hinaus dankte er allen Anwesenden dafür, dass sie ein starkes Zeichen für das Erinnern setzen.

Mit Textbeiträgen aus Geschichte und Literatur gestalteten Schüler der zwölften Klasse des Gymnasiums am Stefansberg unter dem Motto „Remember 1938“ (Erinnere an 1938) die Gedenkstunde. Sie rezitierten den Lehrplan zur Behandlung der Judenfrage aus „Der Nationalsozialistische Erzieher“ von 1934 und schilderten den Inhalt des Reichsbürgergesetzes vom 5.10.1935, das faktisch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft schuf. In Gedenken an die Reichspogromnacht verlasen die Schüler ebenfalls die Anweisungen der Stapoleit- und Stapostellen für gezielte Angriffe auf jüdische Mitbürger nach dem Attentat auf den deutschen Gesandschaftsrat Ernst von Rath am 7.11.1938 und trugen das Gedicht „Pogrom“ von Gustav Regler vor, den Hoffeld „einen bedeutenden Sohn unserer Stadt“ nannte.

Wie die Schüler des Gymnasiums am Stefansberg hervorhoben, stehen sie als Vertreter für eine junge Generation, die ein Zeichen gegen Extremismus und für die Demokratie, für die Meinungsvielfalt und ein friedliches Miteinander setzen wollen. Gleichfalls gedachten sie dem antisemitischen Anschlag auf eine Synagoge in Pittsburgh vor einer Woche, bei dem ein überzeugter Antisemit einen gezielten Anschlag auf jüdische Mitbürger ausübte und elf Menschen tötete. Dies zeige, wie gegenwärtig Antisemitismus sei und wie wichtig es sei, diesen zu verhindern.

Bildergalerie

Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht
Auf dem Bild sieht man ein Mädchen, dass bei der Gedenkveranstaltung etwas vorgetragen hat.
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