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Ausstellung „Die Rückkehr der Wölfe“ wurde erfolgreich eröffnet

Sanft gibt der Schnee unter der Pfote nach und lässt ihn die Kälte des Winters spüren. Behutsam bewegt sich der kanadische Wolf durch das schneebedeckte Gehege des Merziger Wolfsparks, in dem das schwarze Fell zur bepuderten Winterlandschaft einen Kontrast bildet.
Einen weiteren Gegensatz bietet das nächste Bild, das einen weißen Polarwolf inmitten von leuchtendem Herbstlaub zeigt. Michael Schönbergers Fotos fangen viele faszinierende Momente der Tiere im Merziger Wolfspark ein. Gemeinsam mit der Leiterin des Parks, Tatjana Schneider, arbeitet er seit 1993 im Wolfspark und zog mit ihr und Werner Freund selbst einige der Rudel auf. Angesichts der Fotos und eines Besuchs im Wolfspark, der jährlich über 100.000 Besucher aus aller Welt anzieht, verblasst so das Ansehen als böser Wolf.
„Der Wolf gehört zu Merzig“, betonte Bürgermeister Marcus Hoffeld bei der Eröffnung der Ausstellung „Die Rückkehr der Wölfe – Geschichte und Gegenwart“ in der Merziger Stadthalle. „Ich bin froh, dass diese Ausstellung mit dieser Thematik hier stattfinden kann“, sagte Hoffeld und bedankte sich bei Tatjana Schneider, „die mit viel Herzblut und Engagement den Park leitet“, und bei Michael Schönberger, dessen „Fotos um die ganze Welt gehen.“ Beide Wolfsexperten tragen als eingefahrenes Tandem zur bemerkenswerten Reputation des Merziger Wolfsparks bei und führen das Erbe von Werner Freund würdevoll fort.
Auch Roland Krämer, Staatssekretär des Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz, bedankte sich bei Tatjana Schneider und Michael Schönberger, „die über die Grenzen Deutschlands hinaus Aufklärungsarbeit über Wölfe leisten.“ Die Fotografien der Ausstellung, die von Michael Schönberger gemacht wurden und die Merziger Wölfe zeigen, geben „beeindruckende Eindrücke“ wieder und regen zum Nachdenken an. „Denn so, wie ihn das Märchen von Rotkäppchen beschreibt, ist der Wolf nicht“, sagte Roland Krämer. Noch sei der Wolf im Saarland nicht gesichtet worden, allerdings sei es durchaus denkbar, dass er das Land durchstreift. Um für diesen Fall gerüstet zu sein, wurde mit Blick auf die Gesamtlage ein Wolfsmanagement-Plan entwickelt, um der zu erwartenden Einwanderung des Wolfes in das Bundesland mit entsprechender Fachkompetenz zu begegnen. „So wissen wir, wie man mit ihm umgeht“, erklärte der Staatssekretär. Des Weiteren sprach er sich für eine Entschädigung der Landwirte aus und bat um mehr Verständnis dafür, den Wolf in unseren heimischen Wäldern zu akzeptieren. Denn es handle sich beim Wolf „um eine streng geschützte Art, um deren Erhalt wir uns kümmern wollen“, sagte Roland Krämer. Dabei seien Bisse von verwilderten Hunden weitaus gefährlicher, denn im Gegensatz zu Hunden spüren Wölfe eine Scheu vorm Menschen und meiden jeglichen Kontakt. Dass dies nicht immer der Fall ist, zeigt der Merziger Wolfspark als Paradebeispiel für den Umgang mit den Raubtieren. Dafür dankte er auch dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Kreisstadt Merzig für ihre Unterstützung.
Im Rahmen der Merziger Wolfswoche macht die Wanderausstellung des Hunsrück-Museums Simmern und des Rheinland-Pfälzischen Freilichtmuseums Bad Sobernheim, gefördert von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz, Halt in der Kreisstadt. Die Ausstellung zeigt auf 28 Bannern die Geschichte und Biologie des Wolfes, seine Lebensräume, die Jagd und Ausrottung der Tiere im 19. Jahrhundert sowie die Märchen und Rolle der Wölfe in anderen Kulturkreisen. Darüber hinaus informiert sie über die Situation zum präventiven Schutz der Nutztiere vor Angriffen der Wölfe.
Auf die einzelnen Themen der Ausstellung gingen Tatjana Schneider und Michael Schönbeger in einem Multimediavortrag näher ein. „Wölfe sind pro Kontinent und je nach Klima sehr unterschiedlich“, sagte Tatjana Schneider. Manche haben kleinere Ohren oder einen ausgeprägteren Geruchssinn als andere. „Wölfe erkennen am Geruch und den darin enthaltenen Hormonstoffen, ob ein Tier jung oder alt ist und ob dieses gesund oder krank ist“, erklärte die Wolfsexpertin. Dabei können die Tiere Geräusche in einem Umkreis von sieben bis zehn Kilometern wahrnehmen, während sie alles nur in hell und dunkel sehen.
Wölfe leben in einem Rudel in einem loyalen Sozialsystem. Als Leitwolf im Rudel obliegt es ihrer Entscheidung, Aufgaben an die Familienmitglieder zu verteilen und dafür zu sorgen, dass das Überleben des Rudels garantiert ist. „Diese soziale Strukturen sind innerhalb der Familie sehr wichtig“, hob Tatjana Schneider hervor. Auch bei der Jagd verlässt sich der Wolf auf sein Rudel. „Er ist ein sehr intelligenter Jäger. Zuerst wird ein Tier von der Herde getrennt und dann beginnt die Jagd“, erklärte die Leiterin des Merziger Wolfsparks. Als Beute kommen nur Grasfresser wie Rehe, Hasen und Kleinwild in Frage. Wie die Jagd verläuft, lernen die Wolfswelpen schon sehr früh. So zeigt ein Foto von Michael Schönberger, wie ein weißer Polarwolf eine tote Maus vor seinen Sprösslingen herträgt und ihnen veranschaulicht, wie sie Beute finden. Dafür beobachten Wölfe meist, welche Tiere in ihrem Revier durchziehen und welche von ihnen möglicherweise krank sind oder eine andere Beeinträchtigung haben. „Wölfe gehen nicht aus Spaß auf die Jagd“, erklärte Tatjana Schneider weiter. „Erst wenn ihre Vorräte aufgebraucht und sie wieder hungrig werden, versuchen sie ihre Beute zu Fall zu bringen und mit einem Biss zu töten“. Indem sie auf Krankheiten und Gebrechen der Beute achten und meist das schwächere Tier auswählen, tragen Wölfe bei der Selektion der Rasse bei. Darüber hinaus schärfen die Raubtiere ihre Jagdfähigkeiten beim Spiel mit ihren Geschwistern. Mit Mimik, Gestik und Heulen kommunizieren die Wölfe untereinander.
„In Deutschland leben aktuell etwa 60 Wolfsfamilien“, schätzt Tatjana Schneider. Zwölf bis 15 von ihnen seien Streuner und auf der Suche nach einem Partner, etwa zehn von ihnen suchen als Pärchen nach einem geeigneten Revier. „Es ist schön, dass sie sich wieder in Deutschland verbreiten“, erklärte Schneider. Michael Schönberger betonte, man solle aufhören den Medientyp zu fördern. „Da wird ein auf zwei Meter naher Wolf als ‚auffällig‘ angesehen und abgeschossen, weil er am schnuppern war“, berichtet er. „Weltweit sterben jährlich zwei Menschen durch den Wolf. Zum Vergleich: Vier Menschen sterben jährlich durch Kühe“, merkte der Fotograf an. „Wölfe sind aber Raubtiere und keine Schmusetiere.“ Die Furcht vor Wölfen hält er für übertrieben. Sollte doch einmal Sichtkontakt zwischen Mensch und Wolf bestehen, gilt der Leitsatz: „In der Ruhe liegt die Kraft“. Nutztierhalter sollten zum Schutz vor Wölfen Herdenschutzhunde anschaffen oder an den Zäunen Lappen befestigen, die im Wind wehen und so dem Wolf signalisieren: „Das ist von Menschen gemacht. Davor haben Wölfe Angst“, erklärte Michael Schönberger. Dabei sollte man jedoch die Intelligenz der Raubtiere nicht unterschätzen. Abschließend sprach er sich dafür aus, dass Schäfer den Schaden durch Wölfe komplett bezahlt bekommen und hob erneut hervor: „Die Rückkehr der Wölfe ist eine einmalige Sache. Wir müssen ihm die Möglichkeit geben zurückzukommen.“

Bildergalerie

Zu sehen ist ein Vortrag bei der Ausstellung
Zu sehen sind Plakate bei der Ausstellung
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