Kirche Merchingen

Clemens-Holzmeister Kirchen

Das Äußere der Kirche ist von Einfachheit und Sachlichkeit geprägt. Der gesamte Bau ist in Warmbeton ausgeführt, die Verschalungsstruktur lässt man hinterher sichtbar. Eine breite Treppe führt zum Portal hoch, über dem ein Kreuz angebracht ist.

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Clemens-Holzmeisterkirchen in Merzig

Moderne Architektur und Zeugnis tiefer Frömmigkeit

Brotdorf Kirche

Dem im Tiroler Ort Fulpmes geborenen und insbesondere als "Architekt von Ankara" international bekannt gewordenen österreichischen Architekten Clemens Holzmeister verdankt der Stadtteil Merchingen mit seiner Pfarrkirche St. Agatha (1929/30) ein bemerkenswertes und für die modernere Kirchenarchitekturgeschichte im deutschsprachigen Raum richtungsweisendes Sakralbauwerk.

Das Äußere der Kirche ist von Einfachheit und Sachlichkeit geprägt. Der gesamte Bau ist in Warmbeton ausgeführt, die Verschalungsstruktur lässt man hinterher sichtbar. Eine breite Treppe führt zum Portal hoch, über dem ein Kreuz angebracht ist. Auf beiden Seiten des Kreuzes findet man ein gegossenes Relief.

Im Inneren der Kirche verzichtete Holzmeister auf das alt hergebrachte Gegenüber von Altar und Gläubigen, stattdessen will er die Gemeinde möglichst nah um den Altar versammeln. Das Kirchenhauptschiff ist aus diesem Grund sehr breit angelegt und um zwei Querarme erweitert, wobei diese mit Stufen erhöht sind, so dass die Gläubigen auf den Altar sehen können. Die Wände sind weiß und verleihen der Kirche Größe, Klarheit und Würde. Die Fenster sind ohne Fassung in die Wände eingelassen. Der Dachstuhl mit einer Balkenkonstruktion überspannt die ganze Breite des Raumes. Holzmeister hat selbst die Türen, das Gestühl, die Kommunionbank, sogar Kerzenhalter und Beleuchtungskörper entworfen.

Die Kirche in ihrer schlichten Sachlichkeit fand zunächst nicht überall Anhänger und entfachte in der römisch-katholischen Welt eine lebhafte Diskussion. Sie wurde beschimpft als "Grosses Bauernhaus mit Scheune", "Gotteslästerung im Bild" oder auch landläufig als "Bauernkirche". Die Kirche gilt heute als ein Prototyp neuen Kunstschaffens und modernen Kirchenbaus.

In den Jahren 1931/32 wurde Holzmeister ein zweites Mal auf dem Gebiet der Kreisstadt Merzig, im heutigen Stadtteil Brotdorf tätig. Dort baute er die aus dem 17. Jahrhundert stammende Pfarrkirche Maria Magdalena in dem für ihn typischen Stil um und schuf so ein lebendiges Zentrum der Begegnung der Menschen mit ihrer Religion.

Beide Kirchenbauten verbindet ein dem Baumeister gewidmeter Rundwanderweg, der Clemens Holzmeister Weg. Ausgehend von der Kirche St. Agatha in Merchingen führt der Weg über 16,5 Kilometer zur Kirche St. Maria Magdalena in Brotdorf und zurück und lädt damit zu einer Wanderung ein, die das Erlebnis von Natur und Kultur verbindet.

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