Mondorf

Mondorf liebt es hochprozentig. Die zahlreichen Streuobstwiesen um das Dorf geben den Rohstoff für ausgezeichnete Obstbrände. So ausgezeichnet, dass sie Jahr für Jahr durch den Verband Rheinischer und Saarländischer Klein- und Obstbrenner e.V. prämiert werden. Zuletzt gab´s Bronze für Mondorfer Kirsch- und Mirabellenwasser sowie Silber für den heimischen Williams-Brand.
Wer heute durch das beschauliche Örtchen bummelt, ahnt sicherlich nicht, dass die Mondorfer einst recht streitbare Gesellen waren. Und wer hätte gedacht, dass Mondorf vor einigen Jahrzehnten ein eigenes Steueramt besaß und sogar einmal Endpunkt der Bahnlinie Merzig – Metz war?

Doch dazu später. Am besten wir beginnen ganz von vorn, in jener Zeit, als Mondorf noch "Mamendorf" hieß, und der durch Mondorf fließende Monbach wohl Mamenbach geheißen hat. So gesehen wird Mondorf erstmals im Jahre 1030 urkundlich erwähnt, als Jutta, Markgräfin von Lothringen, dem Kloster St. Matheis in Trier den Zehnten der Dörfer Mamendorf (Mondorf), Beringen, Selvingen, Gerlevingen, Betersdorf, Wegingen und Wiskirche schenkt. Und auch in der Mettlacher Wallfahrerliste des Jahres 1152 ist ebenfalls ein "Mamendorf" als eigenständige Pfarrei aufgelistet, die einmal jährlich nach Mettlach wallfahren muss. Anfang des 14. Jahrhundert wird dann aus "Mamendorf" allmählich "Monendorf". 

Im Jahr 1610 wütet die Pest auch in Mondorf, unter den Opfern ist der Pfarrer des Ortes. Zwei Jahre später weigern sich die Bauern von Mondorf, Silwingen, Büdingen und Weiler, zur Neuerrichtung der Mauer um die Siersburg, Frondienste zu leisten. Es nützt ihnen wenig. Das Gericht verurteilt sie zur Leistung und 5 Franken Strafe gibt´s obendrauf. Überliefert ist, dass zu dieser Zeit im Jahre 1615 insgesamt 19 Haushalte in Mondorf existierten, davon 10 steuerpflichtige Personen. Dreißigjähriger Krieg und die zu dieser Zeit üblichen Hexenprozesse dezimieren auch die Einwohnerschaft. So wird 1630 eine Person aus Mondorf auf der Siersburg als Hexe hingerichtet. Dann machen 1636 Kroaten die Gegend unsicher, nehmen dem Pfarrer während der Messe die Hostien vom Altar weg und plündern den gesamten Ort.
Wen verwundert´s da, dass im Jahre 1661 die 7 Orte der Obermeierei Saargau, nämlich Hilbringen, Ballern, Rech, Ripplingen, Fitten, Mondorf und Silwingen zusammen gerade noch 16 Einwohner zählen?

Laut einer Sage, die übrigens heute noch erzählt wird, soll Mondorf und die gesamte Umgegend damals durch Pest, Hunger und Krieg ausgestorben gewesen sein. Menschen aus Tirol sollen sich daraufhin in den verlassenen Dörfern angesiedelt haben. Sollte die Geschichte stimmen, dann wären alle heutigen Mondorfer in Wirklichkeit waschechte Tiroler. Interessante These, nicht wahr? Jedenfalls ist eines beim Blick in die Geschichtsbücher offensichtlich: Die Mondorfer hatten immer einen eigenen Kopf und rebellierten gern gegen die Obrigkeit. Nachdem sie erfolglos gegen die Frondienste an der Siersburg oppuniert hatten, kam es 1770 wieder zum Prozess. Diesmal verklagte das Kloster St. Mattheis die Mondorfer, da diese mal wieder die Frondienste verweigerten. Ergebnis unbekannt. 
Dafür ist überliefert, dass die Mondorfer 1789 sich beim französischen König über zu hohe Steuern beschwerten. Die Beschwerdeschrift blieb jedoch ohne Folgen, da im gleichen Jahr die Französische Revolution ausbrach. Und deren Anhänger stürmten bereits ein Jahr später das Klostergut in Mondorf, plünderten die reichen Bauern des Ortes und errichteten einen Freiheitsbaum vor der Kirche.

Im Jahre 1803 leben 217 Einwohner in Mondorf, mit dem Beginn der preußischen Zeit 1815 sind es dann bereits 324 Seelen.
Als 1816 der Kreis Merzig gegründet wird, kommt Mondorf zur Bürgermeisterei Hilbringen, und im Jahre 1843 bauen Silwingen und Mondorf gemeinsam eine neue Kirche. Wie bisher in fast allen Merziger Ortsteilen zu bemerken, setzt auch in Mondorf zwischen 1827 und 1873 eine wahre Auswanderungswelle ein: Allein 34 Einwohner, die ihr Heil in der Ferne suchen, sind in der Dorfchronik als Auswanderer vermerkt. 
Der Fortschritt kommt auf leisen Sohlen, und so erhält Mondorf im Jahre 1899 zunächst eine Posthilfestelle, und 4 Jahre später kommt eine Telegrafenhilfsstelle und eine öffentliche Fernsprechstelle hinzu. 
Vom "Zug der Moderne" überrollt, wird man dann allerdings im Jahre 1917: Das abseits liegende Mondorf wird urplötzlich Bahnstation, und dies an einer Bahnlinie, die heute in Vergessenheit geraten ist – Die Bahnlinie Merzig nach Metz.

Und die Geschichte dieser kleinen Bahn ist durchaus mehr als kurios. Bereits frühzeitig bemühten sich viele Bürgermeister der Region um diese Linie, bedeutete eine Bahnanbindung zu dieser Zeit doch Fortschritt, ein Ende des Abgelegenseins, den Anschluss an die Welt.
Und dabei wurden so manches Mal ganz schön Emotionen geschürt. Als im Jahre 1903 ein Zeitungsartikel spekuliert, dass die geplante Bahnstrecke über Büdingen nach Merzig führe und nicht über Mondorf, entdecken diese wieder ihren ausgeprägten Kampfgeist. Es kommt zum Disput mit den Büdingern, der nur deshalb nicht eskaliert, weil der Irrtum der Zeitung aufgedeckt wird.
Am 28. Oktober 1907 herrscht wieder Aufruhr in Mondorf. Die Mondorfer wollen ihren Bahnhof näher am Dorf und nicht zwischen Mondorf und Silwingen. Sie setzen sich durch, die Grundstücksverkäufe für die Trasse beginnen.
In diesem Zusammenhang erzählt man sich übrigens eine lustige Geschichte: Ein älterer Mondorfer, dessen Hände beim Unterschreiben des Vertrages zum Grundstückverkauf zu sehr zittern, wird vom Katasterbeamten aufgefordert, einfach ein Kreuz zu machen. Daraufhin "zieht er seine Mütze, faltet andächtig die Hände und schlägt mit zum Himmel gewendeten Augen in den höchsten drei Namen das Kreuz".
Als die Bahn dann endlich fertig ist, wird sie hauptsächlich von Obst-, Gemüse- und Lebensmittelhändlern benutzt, so dass man den Zug kurz "Purätschen-Zug" nennt. Montags und Ffreitags sind die Züge zumeist rappelvoll, denn dann fahren die Metzger auf den Markt nach Metz. Zu den Personenwagen werden dann zumeist noch einige Güterwagen angehängt. Auf dem Rückweg sind diese dann voll mit Vieh, das in Merzig frei durch die Straßen zum Schlachthof getrieben wird.
Im Jahre 1925 wird deshalb zur Abfertigung steuerpflichtiger Waren im Stationsgebäude Mondorf ein Steueramt II eingerichtet.
Die Rückgliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich wirft Anfang der 30er Jahre seine Schatten voraus. Da 621 m des 1715 m langen Silwinger Tunnels unter französischem Gebiet verlaufen, verlangen die Franzosen angeblich neben zweimaliger Kontrolle der durchfahrenden Züge eine jährliche Benutzungsgebühr von fast 250.000 Francs. Diese Forderungen sind für die Reichsbahn natürlich nicht akzeptabel, und so wird der Silwinger Tunnel an den beiden auf deutschem Gebiet liegenden Portalen kurzer Hand zugemauert. Und so kommt es, dass der Bahnhof Mondorf zur Endstation der verkürzten Linie Merzig – Mondorf wird. Und von der anderen Seite bedienen die Franzosen ab dem 4. September 1935 nur noch bis zum Bahnhof Waldwiese.
Wer jetzt noch von Merzig nach Metz will, der muss in Mondorf aussteigen, um den Berg herum weiter nach Waldwiese und dort in einen neuen, französischen Zug einsteigen.
Als schließlich die Bahnlinie im Jahre 1948 gänzlich stillgelegt wird, ist es vorbei mit der Bahnstation Mondorf. Allerdings gibt es noch eine kleine Episode zum ehemaligen Mondorfer Bahnhof zu berichten, den man in Eisenbahnerkreisen nur den "Bahnhof Kettenhofen" nannte.
Wieso das? Weil dessen letzter Vorsteher, besagter Kettenhofen, noch  jahrelang, nachdem kein Zug mehr fuhr, die Gebäude pflegte und die Weichen schmierte. 
Im Zuge der Gebietsreform wird auch Mondorf 1974 ein Stadtteil von Merzig und damit 739 Einwohner.

Mittlerweile hat Mondorf rund 820 Einwohner, von denen fast alle in den örtlichen Vereinen aktiv sind. Und davon hat man in Mondorf immerhin sechs. Davon werfen die drei größten, der Turn- und Sportverein, die Frauengemeinschaft Silwingen-Mondorf und die Radsportfreunde zusammen rund 500 Mitglieder in die Waagschaale. Die restlichen wie der Bauernverein, der Obst- und Gartenbauverein und der Kath. Kirchenchor Cäcilia steuern rund 150 Mitglieder bei. Macht summa sumarum: rund 650 Vereinsmitglieder. 

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