Merzig-Kernstadt

Gesichter einer Stadt zwischen den Jahrtausenden

Angefangen hat alles wohl in der Jungsteinzeit (4.800 v.Chr. bis 2.000 v.Chr.), als sich die ersten Menschen im Merziger Becken niederließen, Wälder rodeten und Sümpfe trocken legten, um Raum für Weideplätze zu schaffen. Eine Zeit, in der in Europa bereits Keramik gebrannt, geschliffene und durchbohrte Steinäxte hergestellt werden und in richtigen Bergwerken Feuerstein abgebaut wird. Eine Zeit des ersten Handels, in der Waren über große Entfernungen ausgetauscht werden. Und so ist es eine ausgezeichnet gearbeitete Steinklinge, gefunden bei Schwemlingen, die als Importware Merzigs Stadtgeschichte begründen mag. Und schon damals galt: Wer sich einmal im landschaftlich reizvollen Merziger Becken niederlässt, der bleibt gerne.

Archäologische Funde aus einem in Art und Maß im Saar-Lor-Lux-Raum einzigartigen Urnen-Gräberfeld (57 Grabfunde) bei Ballern-Rech lassen vermuten, dass sich die Menschen augenscheinlich auch in der Bronzezeit (2.000 - 750 v.Chr.) an der unteren Saar recht wohl fühlten. Mit dem Beginn der Eisenzeit (750 - 25 v.Chr.) wird die Technik der Gewinnung und Verarbeitung des Eisens zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor. Der Fund eines reich ausgestatteten Grabes einer keltischen Fürstin auf dem "Müllersküppchen" im Ortsbereich von Besseringen zeugt von einem prächtigen keltischen Herrschersitz, der in direktem Zusammenhang mit der gleichzeitigen Befestigungsanlage auf dem Montclair-Felsen bei Mettlach stehen dürfte. Es sind bisher vier große römische Gutshöfe des Typs "villa rustica" auf Merziger Stadtgebiet ergraben worden. Einer stand in Besseringen, einer in Fitten, einer in Mechern und einer am heutigen Naturbad Heilbronn. Das Interessante daran: Alle vier bilden zusammen eine Art großräumiges Viereck um die Mündung des Seffersbaches. 

So wurde ein römisches Gebäude zwischen Seffersbach und Merchinger Bach entdeckt, ein römisches Gräberfeld am Gaswerk und an der Ev. Schule sowie zahlreiche Goldmünzen aller Epochen, darunter eine Goldmünze des Vespasian (69 - 79 n.Chr.), was auf eine recht frühe römische Besiedelung schließen lässt. Höchstwahrscheinlich lag die Blütezeit des "römischen Merzigs" im 2. und 3. nachchristlichen Jahrhundert. Eine Urkunde vom 4. Juni 369 erwähnt ein "Mansio praedium Martiaticum". Ob es sich dabei allerdings um Merzig handelt, bleibt unklar, gibt es doch eine Reihe von Orten mit ähnlichen Namen, beispielsweise "Marciacum", das für Mercy im Departement Mosélle steht. In der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts kamen dann die Franken, aus dem Geschlecht von Chlodewigs Merowingern, an die untere Saar. Und sie scheinen sich hier so richtig wohlgefühlt zu haben, weisen doch die weitaus meisten heutigen Orts- und Flurnamen mit Endungen wie -ingen, -heim, -dorf und -weiler auf fränkische Gründungen hin. Zwölf von siebzehn Stadtteilen dürften demnach wohl fränkischen Ursprungs sein. Den Merowingern folgten um 700 n.Chr. dann die Karolinger. Mit den nun immer zahlreicher werdenden, schriftlich erhalten gebliebenen, Dokumenten wird von nun ab auch die Geschichte Merzigs lichter.

Ersichtlich noch immer im Merziger Stadtwappen, das sowohl das rote kurtrierische Kreuz, als auch das schwarze lothringische Doppelkreuz unter einem dreitürmigen Stadttor zeigt. Vor allem unter den trierischen Erzbischöfen, die zugleich auch deutsche Kurfürsten waren und damit den Kaiser mitwählten, finden sich einige recht bemerkenswerte Persönlichkeiten. Um das Jahr 1550 herum erscheint dann eine großflächige Karte der Region, die Karte "Lotharingia Ducatus". Darin verzeichnet: "Mertzich".

Ein erster bekannter Stadtplan von 1617, als "Abriss des Fleckens Merzig" von einem kurtrierischen Archivarius beglaubigt, lässt das mittelalterliche Merzig wiedererstehen. Zwei Brücken überspannen den Bach, und mehrere Mühlen nutzen seine Kraft.

Der heutige Stadtname Merzig taucht erstmals im Jahre 1731 auf. Auf einer Carta topographica ist "der gemein Marck Flecken Merzig" verzeichnet. Hinweis: Merzig feierte im Jahr 2000 „175 Jahre Stadtrechte“! Die am 14. November 1825 durch „allerhöchste Kabinettsorder...“ Friedrich Wilhelms III. erfolgte Zuweisung zum „Stand der Städte“ bedeutete de jure die offizielle Erhebung zur Stadt und bildete die Voraussetzung dafür, dass Merzig sich 1857 zur Übernahme der Rheinischen Städteordnung entschließen konnte. Vielleicht wird Merzig ja gerade deshalb im Jahr 1857 endlich per Gesetz zur Stadt. Ein höchster Erlass vom 25. Mai 1857 verleiht die ersehnte Städteordnung für die Rheinprovinz.

Im gleichen Jahr gründet Wilhelm Tell von Fellenberg am Seffersbach eine Fabrik für Drainageröhren, heute ein Museum und industriegeschichtliches Kleinod der Extraklasse. Ein Jahr später erwirbt er, quasi in Sichtweite, eine baufällige Mühle am Seffersbach und baut sie zu einem respektablen Schlösschen um, dem er kurzer Hand seinen Namen gibt, und das heute den herrlichen Rahmen für ein weiteres Museum bildet. Doch nicht nur Wilhelm Tell von Fellenberg baute, auch die Familie Johann Brock investierte. Ihr verdankt die Stadt die, 1858 errichtete, malerisch gelegene Kreuzbergkapelle, die bis heute, erhaben über der Merzig thront. 

Mit der Gebietsreform des Jahres 1974 wurde schließlich aus der bis dahin selbstständigen Stadt Merzig der größte von 17 Stadtteilen im Herzen der heutigen Kreisstadt Merzig.

 

  • Wetter in Merzig

  • ° 00:00
Image