Harlingen

Harlingen bildet zusammen mit Menningen und Bietzen die sogenannten Bietzerberggemeinden, die kulturell und gesellschaftlich eng miteinander verbunden sind. Aufgrund seiner speziellen Lage hat Harlingen im Jahresdurchschnitt mit die meisten saarländischen Sonnentage, so dass man hier im wahrsten Sinne des Wortes auf der Sonnenseite Merzigs lebt. Mit knapp 600 Einwohnern, einer kulturhistorisch einzigartigen Kirche, liebevoll restaurierten lothringischen Bauernhäusern um einen schmucken Dorfkern und ganz viel Landschaft drumherum ist Harlingen ein prächtiges Beispiel für eine ländliche Idylle.

Fixpunkt des dörflichen Lebens ist die auf einem erhöhten Platz in der Dorfmitte gelegene Marienkapelle. Um 1760 gaben die Mönche der Prämonstratenser-Propstei in Merzig, deren Annexe die Filialen Harlingen, Bietzen und Menningen waren, den Auftrag für den Bau der Kapelle "Beatae Mariae Virginis", dem einzigen sakralen Bauwerk des bekannten Barockarchitekten Christian Kretschmar an der Saar. Schon die Fassade verrät den Meister. Aus einem saalartigen Langhaus ist der Turm im Westen herausgebildet. Durch das nach innen gerundete Vorschwingen der seitlichen Fassadenwände zum Turm hin wirkt dieser dennoch in den Kapellenbau integriert. Toskanische Pilaster begrenzen Gesamtbau und Turm und teilen die Stirnseite in drei verschieden große, schmalhohe Wandfelder. Falls Ihnen dabei irgend etwas bekannt vorkommen sollte – das im Korbbogen gehaltene Eingangsportal hat Ähnlichkeit mit dem Balkonportal der Mittelachse der Mettlacher Abtei.

Im Innern der Kirche wird der Blick unwillkürlich angezogen von einem Gnadenbild, eine spätmittelalterliche Muttergottes, die hoch über dem prächtigen Altar aus dem 18. Jahrhundert zu thronen scheint. Einer Legende nach wurde sie einst in einem zwischen Merzig und Harlingen gelegenen Kloster aufbewahrt. Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges wurde sie – so weiß es jedenfalls der Volksmund zu berichten – von Harlinger Bauern unversehrt und aufrecht stehend am Platz der heutigen Kapelle gefunden. Vielleicht stimmt ja die Geschichte, denn das Gnadenbild stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert. Jedenfalls trug die fromme Legende dazu bei, dass die Harlinger Kapelle über viele Jahrhunderte ein beliebtes Wallfahrtsziel wurde.
Neueren Datums sind dagegen die von dem saarländischen Künstler Ernst Alt an den beiden Seitenwänden geschaffenen Kreuzwegstationen, die durch ihre farbliche Intensität beeindrucken.

Erstmals urkundlich erwähnt wird Harlingen wohl im Jahre 1147. In einer Urkunde des Erzbischofs Albero von Trier findet jedenfalls ein Ort namens "Herlevinga" Erwähnung. Ob mit diesem "Herlevinga" tatsächlich Harlingen gemeint ist, ist noch nicht restlos geklärt. Jedoch ist der Ort sechs Jahre später, erstmals 1153 in den Annalen der Augustiner-Abtei Springiersbach, die hier begütert war, historisch verbürgt.

Wahrscheinlich jedoch ist Harlingen bedeutend älter. Am 28. Mai 1952 erschien ein Zeitungartikel unter der Überschrift "Fränkisches Kriegergrab in Harlingen". Der Verfasser Johann Heinrich Kell leitete seine Schilderung mit folgenden Worten ein: "Der Name Harlingen ist zurückzuführen auf den germanischen Personennamen Harold (Harald). Da die Endungen "ingen" eine Zugehörigkeit bezeichnet, siedelten hier höchstwahrscheinlich also Harold und seine Sippe.
Durch den Fund eines fränkischen Bauernkriegers sieht Kell seine Annahme untermauert, dass Harlingen eine fränkische Gründung sei. Danach dürften fränkische Krieger, vermutlich gegen Ende des 5. Jahrhunderts, über die Mittelterrasse des Hohenberges eingewandert sein.
Unabhängig davon ist die herrschende Meinung unter den Heimatforschern, dass die urkundlich ältesten Siedlungsnamen unserer Gegend mit "-weiler", "-ingen" und "-heim" enden.

Jedenfalls erscheint um 1210 unter den Herren von Harlingen auch schon das Domkapitel zu Trier, das in der Folgezeit die Grundhoheit und die niedere Gerichtsbarkeit erwarb, während die Hohe- oder Blutgerichtsbarkeit der Erzbischof von Trier zusammen mit dem Herzog von Lothringen ausübte. Nachdem der Dreißigjährige Krieg auch das Land an der Unteren Saar verwüstet hatte – Harlingen, Bietzen und Mennigen hatten zusammen gerade noch sieben Einwohner – wurde im Jahre 1657 wieder ein Bannweistum zu Harlingen aufgestellt, das die Rechte des Domkapitels und der Mitgrundherren bestätigte. Hier finden sich auch Bestimmungen zum Harlinger Jahrmarkt am "Harlinger Tag", auch "Liebfrauen Wischtag" (Mariä Himmelfahrt) genannt.
Mit "Wisch" sind dabei "Bündel" gemeint, denn an Mariä Himmelfahrt fand in Harlingen traditionell die Kräuterweihe statt. Insgesamt 25 Kräuter band man damals im Merziger Land zu einem Strauss, "Wundenkraut" und "Totenrand" darunter. Den geweihten Pflanzen wurden nämlich heilsame und unheilabwehrende Kräfte zugeschrieben, weshalb man sie unters Dach zum Schutz vor Feuer und Blitz band. Kein Wunder, dass diese Kräuterweihe dem Harlinger Markt eine zusätzliche Attraktivität verlieh.
Die Harlinger Wallfahrt an Mariä Himmelfahrt ist heute allerdings nur noch rudimentär vorhanden. Hochamt und Kräuterweihe finden nun alljährlich in der Martinskirche in Bietzen statt. Dort begrüßt am Nachmittag der Pfarrer die Wallfahrtsgemeinde. Dann zieht die Bittprozession über den Merziger Panoramaweg zur Gnadenkapelle nach Harlingen. Der Weg ist nur einen Kilometer lang. Doch nicht nur an Mariä Himmelfahrt ist Wallfahrtstag. An allen Marienfesten und besonders im Monat Mai kommen Pilger aus Belgien und aus der Eifel mit Bussen, um von Merzig zu Fuß über den Panoramaweg zur Marienkapelle zu pilgern.

Während der Zugehörigkeit zur französischen Republik und zum Napoleonischen Kaiserreich (1795 - 1814) unterstand Harlingen dem Saardepartement, Kanton Merzig. 1815 kam man dann zu Preußen und 1920 zum Saargebiet.
Diese wechselvolle Zeit prägte auch das heutige Bild des Ortes. Vor allem Bauernhäuser des lothringischen Typs zierten den Ort. Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurden viele davon leider zerstört. Doch das ausgeprägte Bewusstsein der Harlinger, das traditionelle Ortsbild zu erhalten sorgte dafür, dass die erhalten gebliebenen Bauernhäuser im ursprünglichen Stil restauriert wurden, womit das heutige Ortsbild Harlingens entscheidend geprägt wurde. Zudem wurde bei der Ausweisung neuer Wohngebiete stets darauf geachtet das Traditionelle mit dem Neuen homogen zu verbinden, was dem Ort im Jahr 1983 beim Bundeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" die Goldmedaille einbrachte.
Ein gelungenes Beispiel für eine gelungene Kombination aus alt und neu ist übrigens der Brunnen "Liebfrauen Bur" im Baugebiet "In der Igelsheck".

Ein weiterer herauszuhebender Pluspunkt Harlingens ist das intakte Dorfleben, denn die Dorfgemeinschaft schafft man sich selbst. Wesentlicher Bestandteil sind dabei die Vereine und natürlich die eigene Feuerwehr. Insgesamt 9 Vereine, vom Männergesangsverein "Liederkranz" über die Landfrauen, dem Rentnerverein, dem Landfrauenverein sowie dem Obst- und Gartenbauverein bis zu den Sportfreunden Bietzen-Harlingen, Abteilung Frauenturnen, pflegen das gesellige Miteinander. Und so folgt ein Fest auf´s andere, um die Traditionen und die dörfliche Gemeinschaft zu pflegen. 

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