Büdingen

Büdingen ist mit seinen etwas über 300 Bewohnern der Kleinste aller Stadtteile. Klein, aber oho, denn – bezogen auf seine Größe – hat Büdingen für historisch Interessierte manch´ verborgenen Schatz zu bieten. So findet sich auf dem dem Katzenberg ein ganz besonderes Wegekreuz von 1744. In der Steinmetzstraße ist es die kath. Pfarrkirche "Mariae Heimsuchung", die sicherlich einen zweiten Blick wert ist. In den Jahren 1825 - 26 von Odenheimer erbaut, wurde ihr Turm im Jahre 1920 von Peter Marx um einige Meter erhöht. Freunde südwestdeutscher Bauernhaus-Architektur werden die Straße "Zum Saargau" lieben: Dort stehen gleich 4 historische Gebäude unter Denkmalschutz, darunter das kath. Pfarrhaus, ein Bauernhaus von 1790 und eines von 1801 sowie als Highlight ein ehemaliger Gutshof mit Wirtschaftstrakten und Gewölbekeller, samt einem Altar mit Gräbern von 1876.

Apropos Highlight: Eines hätten wir fast vergessen, dabei ist es untrennbar mit dem Ortsnamen Büdingen verbunden: ein Freilichtmuseum der besonderen Art, ein extravaganter Skulpturengarten der Moderne vor grandioser Landschaftskulisse, bekannt als "Steine an der Grenze".

Vereinsmäßig ist dagegen in Büdingen nicht ganz so viel los. Ganze zwei Vereine stehen im Vereinsregister der Stadt Merzig. Der obligatorische Musikverein und ein Mütterverein, mit immerhin 78 Mitgliedern.

Büdingen war übrigens schon im 10. Jahrhundert eine Pfarrei, allerdings hieß der Ort da noch "Buodinga". Im Jahre 1490 erwähnt ein Mettlacher Weistum den Ort dann als "Budingen". In den zahlreichen Kriegen und Pestzeiten des 17. Jahrhunderts traf es dann Büdingen, Wellingen und Weiler, die zusammen eine Mark- und Flurgemeinschaft mit gemeinschaftlichem Grundgericht bildeten, ganz besonders schwer, so dass die meisten alten Familien zugrunde gingen. So wird aus dem Jahr 1624 – sechs Jahre nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges – berichtet, dass in Büdingen 1 Pfarrer, 1 Hoffmann, 1 Hirt, 6 Ackersleute, 2 Tagelöhner und 4 Bettler lebten. Im Jahr 1633 wird der Ort sogar Vogtei für Büdingen, Weiler und Wellingen. Doch schon wenige Jahre später, im Jahr 1657, wohnen nur noch drei Familien in Büdingen, wie aus einem Pfarrvisitationsprotokoll der Zeit zu entnehmen ist. Die Pfarrei Büdingen wird daher von Hilbringen aus verwaltet. Und es kommt noch viel schlimmer: Im Jahre 1661 zählt die Schwarzmeierei, Untermeierei Saargau mit den Ortschaften Schwemlingen, Büdingen, Wellingen, Weiler, Wehingen, Bethingen und Büschdorf gerade mal noch 5 Einwohner! Erst um das Jahr 1700 geht es in Büdingen wieder aufwärts. Eine Hofstatt, die 60 Jahre verlassen und verödet dalag wird an Nikolaus Schmitt aus Merzig versteigert, der sie wieder aufbaut. Im Jahr 1728 wird dann eine neue Kirche errichtet und drei Jahre später kehren einige nach Ungarn ausgewanderte Büdinger zurück und bleiben. Und so notiert man für das Jahr 1750 wieder 34 Haushalte in Büdingen, weshalb man 1755 der Kirche noch einen eigenen Turm schenkt. Um das Jahr 1800 zählt man dann bereits 275 Einwohner und gehört als Sukkursalpfarrei des Kantons Sierck zum Bistum Metz. Mit dem 1. Pariser Frieden im Jahr 1814 wechselt Büdingen wieder die Seiten und gerät fortan unter deutsche Verwaltung. Ein Meilenstein für den Ort ist im Jahr 1820 erreicht: Man hat endlich ein eigenes Schulhaus! Nachdem 1825 die alte Kirche abgerissen wurde, wird drei Jahre später die neue Kirche erbaut. Neun Jahre später kommt auch noch das bereits an anderer Stelle erwähnte, denkmalgeschützte Pfarrhaus dazu. Mitte des 19. Jahrhunderts setzt dann auch in Büdingen die bisher für alle Merziger Stadtteile zu bemerkende Auswanderungswelle nach Amerika ein. Nach den beiden Weltkriegen zählt Büdingen im Jahr 1954 gar mit 748 Einwohnern (251 männliche, 397 weibliche) die bisher meisten seiner Geschichte.
Als man dann 1974 durch die Gebietsreform Teil der Stadt Merzig wird sind es allerdings nur mehr 322 Einwohner, die Büdingen in die Waagschale werfen kann. Eine Zahl, die sich bis heute kaum merklich verändert hat.

Samstag, 26.05.2018

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