Ausstellung zu Ernst Christian Thiel im Museum Schloss Fellenberg eröffnet

Dienstag, 30 Januar 2018
Ausstellung Ernst Christian Thiel

Er machte Merzig zur Stadt. 30 Jahre war Ernst Christian Thiel in Merzig Bürgermeister und verhalf der Kreisstadt zu ihrem heutigen Charakter. Doch wer war der Mann, dem zu Ehren eine Straße in Merzig benannt, die Villa Thiel und die Thielsparkhalle erbaut sowie der Ernst-Thiel-Cup ins Leben gerufen wurden? Diese Frage beantwortet die neue Ausstellung im Museum Schloss Fellenberg, welche am vergangenen Sonntag durch die Familie Thiel, die Museumsleiterin Dr. Ingrid Jakobs und Merzigs Bürgermeister, Marcus Hoffeld, offiziell eröffnet wurde. 
„Um Merzig und Thiel besser verstehen zu können, muss man sich die damalige Zeit vor Augen führen“, erklärte Ralf-Michael Zapp. Vor rund 150 Jahren war das Saarland noch eine Provinz, ein Teil davon gehörte unter anderem Preußen und Bayern. Im Zuge der Industrialisierung wurden Bauern zu Arbeitern und das Land erfuhr einen wirtschaftlichen Aufstieg. Ernst Christian Thiel, geboren am 1. August 1860 in Gummersbach, besuchte dort die Höhere Schule und absolvierte in der Eifel den Vorbereitungsdienst für die Bürgermeister-Laufbahn bei der königlich-preußischen Regierung in Trier, erklärte die Museumsleiterin Dr. Ingrid Jakobs. 
„Wenn das so weiter geht, wird Merzig eine Weltstadt“, zitierte Jakobs Ernst Thiel, nachdem Merzig seine erste Gasstation erhielt. Doch von einer Weltstadt war Merzig noch weit entfernt, als Thiel in seine neue Heimat kam. Es fehlte eine Abwasserleitung, die Bewohner entleerten ihren Nachttopf einfach auf der Straße, welche nicht gepflastert war. Und die Dächer der Häuser waren mit Stroh bedeckt. Ehe Ernst Thiel nach Merzig zog, war er von 1884 bis 1887 Bürgermeister des Verwaltungsbezirks Kyllburg in der Eifel. Durch seinen Tatendrang, seine Disziplin und seinen Sinn für Ordnung hatte er schnell das Ansehen der königlich-preußischen Verwaltungsspitze gewonnen und wurde im Sommer 1887 von der Regierung als Bürgermeister von Merzig-Stadt und Merzig-Land eingesetzt. Dieses Amt hatte er bis 1917 inne. In seiner Wahlheimat heiratete er die Tochter des Direktors der Merziger Terrakotta-Fabrik, Elly Spangenberg, mit der er sieben Söhne bekam und am Fuße des „Hohen Berges“ eine Villa bauen ließ.
„Den Grund für den trostlosen Zustand der Stadt sah Thiel in dem geringen Fleiß der Bürger sowie ihrem Zusagen des Branntweins“, erklärte Dr. Ingrid Jakobs bei der Eröffnung. „Dass sich dadurch kein Wohlstand erhebt, liegt auf der Hand“, zitiert sie den jungen Bürgermeister, der bei Amtsantritt erst 27 Jahre alt war. Dies führte zu seiner Überlegung, eine Sittenpolizei einzuführen. Zu seiner ersten Amtshandlung zählte die Reinigung der Straßen. Er ließ einen Bürgersteig anlegen, die Straßen pflastern und reinigen. Er verordnete den Bürgern Ordnung und Sauberkeit, verbesserte als Mitglied der freiwilligen Feuerwehr deren Ausrüstung und genehmigte nur Bauwerke, die mit einem Turm versehen waren. Der junge Bürgermeister bemühte sich darüber hinaus um eine Zentralwasserleitung für Merzig und um die Erweiterung des Bildungswesens. Durch sein Engagement wurden in Merzig zwei Gymnasien gegründet: Am 1. Oktober 1888 das Gymnasium am Stefansberg für Jungen und ein paar Jahre später das Peter-Wust-Gymnasium als Mädchenschule. Außerdem wurde in seiner Amtszeit der Merziger Stadtpark angelegt. In Anerkennung seiner Verdienste wurde Ernst Christian Thiel 1910 vom Stadtrat zum Bürgermeister auf Lebzeiten gewählt, trotz zeitweiligem Widerstand bei Bürgern und Beigeordneten.
Als der Erste Weltkrieg ausbrach, meldete er sich freiwillig, musste jedoch aufgrund einer Krankheit frühzeitig zurückkehren. Innerhalb drei Wochen verlor Thiel nach Worten von Dr. Ingrid Jakobs drei seiner Söhne und seine geliebte Frau, was aus ihm einen gebrochenen Mann machte. Nach 30 Jahren Amtszeit legte er alle seine Ämter nieder und zog sich zurück. Am 8. November 1932 starb Ernst Christian Thiel im Alter von 72 Jahren.
Dr. Ingrid Jakobs erklärte bei der Eröffnung, es sei an der Zeit, das Wirken von Thiel ins Bewusstsein der Bürger zu rücken: „Das ist Merzig ihm schuldig.“
Sehr beeindruckt von den zahlreichen Gästen, die zur Eröffnung gekommen waren, zeigte sich Marcus Hoffeld. „Dass heute so viele Menschen gekommen sind, liegt zum einen an der Familie, die sehr engagiert in der Stadt aktiv ist“, sagte der Bürgermeister. „Zum anderen wissen viele nicht, wer Ernst Thiel war. Zu dieser Aufklärung soll die Ausstellung beitragen“, erklärte Hoffeld, der zudem der Familie Thiel und allen Beteiligten für ihr Engagement dankte und der Ausstellung einen guten Verlauf wünschte. Neben Bürgermeister Marcus Hoffeld besuchten auch der Erste Beigeordnete der Kreisstadt Merzig, Dieter Ernst, die Landrätin von Merzig-Wadern, Daniela Schlegel-Friedrich, sowie Merzigs Ortsvorsteher Manfred Klein, das Mitglied des saarländischen Landtages, Frank Wagner, und Jürgen Schreier die Ausstellung. 
Zu sehen ist die Ausstellung im Museum Schloss Fellenberg noch bis Sonntag, 8. April. Sie erfolgt in Zusammenarbeit mit der Familie von Ernst Thiel und basiert weitestgehend auf originalen Dokumenten der Familie. Ausgestellt sind unter anderem persönliche Gegenstände der Familie und Thiels Schreibtisch sowie Bilder, Urkunden und Zeitungsartikel.
Weitere Infos gibt es beim Museum Schloss Fellenberg, Torstraße 45a, 66663 Merzig, Tel. 801260, E-Mail info@museum-schloss-fellenberg.de und unter www.museum-schloss-fellenberg.de. Geöffnet ist das Museum donnerstags von 14 bis 19 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr, sowie nach telefonischer Voranmeldung.

 

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