Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht in Merzig

Dienstag, 14 November 2017

Mit einer Kranzniederlegung erinnerte die Kreisstadt Merzig am 10. November 2017 an die November-Pogrome in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938. Aufgrund des staatlich anerkannten Antisemitismus der Nationalsozialisten, der nach der Machtergreifung im Jahr 1933 vorherrschte, kam es in dieser Nacht zu organisierten und gelenkten Gewaltmaßnahmen gegen Juden in ganz Deutschland. Mehr als 1400 Synagogen und zahlreiche jüdische Geschäfte fielen den Nationalsozialisten in die Hände und wurden Opfer dieser Gewalt.

Unvergessen bleibt bis heute ebenfalls die Reichskristallnacht in Merzig, bei der auch die Synagoge in der Synagogenstraße ausbrannte und so der Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens zerstört wurde. Die Feuerwehr war damals dazu angehalten, den Brand nicht zu löschen und lediglich dafür zu sorgen, dass dieser nicht auf die umliegenden Wohnhäuser überging. Auch der naheliegende jüdische Friedhof wurde in dieser Nacht heimgesucht und stark verwüstet.

Bürgermeister Marcus Hoffeld sprach an diesem Tag von einem „der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte“ und mahnte dazu, diese und die nachfolgenden Ereignisse der NS-Zeit sowie die Judenverfolgung nicht zu vergessen. Darüber hinaus begrüßte er die zahlreichen Bürgerinnen und Bürger Merzigs, die in Gedenken an die gräuliche Tat zu der Gedenktafel der Merziger Synagoge gekommen waren. Unter ihnen waren unter anderem die Vertreter der Kirchengemeinden, Pastor Bernd Schneider von der katholischen und Pfarrer Klaus Künhaupt von der evangelischen Kirche, sowie der Ortsvorsteher von Merzig, Manfred Klein, und die Ortsvorsteherin von Mechern, Hedi Groß, die Beigeordneten Dieter Ernst und Rosi Gruhn sowie das Mitglied des saarländischen Landtages, Martina Holzner.

„In der Nazi-Propaganda wurden diese Verbrechen als ‚spontaner Volkszorn‘ dargestellt. In Wahrheit war es jedoch eine von den Nationalsozialisten gelenkte Aktion gegen den jüdischen Teil der deutschen Bevölkerung“, erklärte Bürgermeister Marcus Hoffeld. Diese November-Pogrome waren der Anfang und die Vorboten des organisierten Völkermordes an über sechs Millionen Juden in Europa. Im Zuge dessen wurde auch die jüdische Gemeinde in Merzig ausgelöscht, die zu Beginn der 1930er Jahre noch rund 200 Personen umfasste und nach Kriegsende nicht mehr existierte.

„Dieses Gedenken ist für uns kein leeres Ritual, sondern aufrichtiges Bedürfnis“, bekannte Hoffeld und hob die Wichtigkeit dieses Gedenkens in die heutige Zeit. „Wir alle kennen die Bilder von Übergriffen auf Asylbewerber“, rief er den Anwesenden in Erinnerung und bedankte sich bei all denjenigen, die sich „vorbildlich für die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen einsetzen“.

„Wenn wir aus unserer Geschichte lernen wollen, dann hat jeder von uns die Verantwortung, bereits auf Anzeichen von Fehlentwicklungen zu achten und gegenzusteuern“, betonte der Bürgermeister. Daher sei es unabkömmlich, Brücken zwischen den gesellschaftlichen Schichten, den Religionen und Kulturen zu bauen, um zu integrieren und zu verbinden.

Dieses Gedenken an die Vergangenheit muss demnach weiterhin und immer wieder bewusst gemacht werden und gerade an die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden, wo Marcus Hoffeld besonders die Schulen und die Eltern in der Verantwortung sieht. Er zitierte dabei die Worte des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker: „Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird“.

Zahlreiche Erinnerungs- und Gedenkorte wie Stolpersteine erinnern in der Kreisstadt bis heute an die Verbrechen der Nationalsozialisten. Der Gedenktag an die Reichspogromnacht in Merzig ist ein wichtiger Tag der Erinnerung, damit dergleichen nie wieder geschieht und Merzig nach Worten des Bürgermeisters vor einem Rückfall in eine dunkle Vergangenheit bewahrt wird. 

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