Tagesförderstätte St. Agatha in Merchingen feierte 50jähriges Bestehen

Dienstag, 7 November 2017

Die Tagesförderstätte der Caritas in Merchingen betreut seit nunmehr 50 Jahren geistig oder schwerstmehrfach behinderte Menschen. Wichtigstes Ziel der Förderung und Betreuung ist das Erreichen einer höchstmöglichen Lebensqualität der Menschen, durch eine Optimierung der Selbständigkeit. Die Betreuten sollen dabei lernen, Wünsche und Vorlieben zu äußern und ihren Bedürfnissen und Interessen nachzugehen. Sie sollen Spaß und Freude am Tun haben und im Gruppenalltag Freundschaften zu Anderen knüpfen. Die pädagogische Arbeit umfasst musisch-kreative, kognitive, lebenspraktische und motorische Angebote. Das Erweitern der sozialen Kompetenzen und der Kommunikationsmöglichkeiten sind ebenso wichtig. Die Umsetzung der Förderschwerpunkte erfolgt in Absprache mit allen an der Betreuung beteiligten Personen. „Die Mitarbeiter fühlen sich nach dem christlichen Menschenbild verpflichtet, kompetent und gewissenhaft zu helfen, zu fördern und Unterstützung für die Familien und die zu betreuende Person zu sein“, so Hermann-Josef Niehren, Direktor des Caritasverbandes Saar-Hochwald e.V..

Schön ist, dass die meisten der zu Betreuenden der Tagesförderstätte noch zu Hause bei ihren Angehörigen leben. Sie werden morgens von zu Hause abgeholt und am Nachmittag auch wieder nach Hause gebracht. Die wohnortnahe Versorgung macht es möglich, dass der beeinträchtigte Mensch tagsüber seinen Interessen nachgehen kann und die entsprechende Betreuung und Förderung erhält. „Dieser zweite wichtige Lebensbereich neben dem häuslichen Umfeld, ist für die Menschen wichtig, weil er weitere Erlebniswelten öffnet und ein Stück Normalität in den Alltag bringen kann“, so Jessica Schwindling, Leiterin der Tagesförderstätte.

Die Tagesförderstätte befindet sich im Stadtteil Merchingen, in einem wunderschönen Neubau, der im April 2013 bezogen wurde. Sie verfügt über einen Außenbereich, der zum Verweilen einlädt. An schönen Tagen können somit viele Förderangebote oder auch das gemeinsame Essen im Freien stattfinden.

Nach der heiligen Messe zu Beginn des Festtages, lud der Caritasverband in das Merchinger Vereinshaus zur Jubiläumsfeier ein. Hier begrüßte Hermann-Josef Niehren als Caritasdirektor die zahlreichen Besucher. Unter ihnen besonders Bernd Seiwert, der als Vertreter der Landesregierung und als Vertreter der verhinderten Ministerpräsidentin und Schirmherrin der Veranstaltung, Annegret Kramp-Karrenbauer, anwesend war. Außerdem waren Bürgermeister Marcus Hoffeld, der Landtagsabgeordnete Frank Wagner, auch in Vertretung der Landrätin, die Landtagsabgeordnete Martina Holzner, die Direktorin des Diözesan-Caritasverbandes Trier, Frau Dr. Kugel, Ortsvorsteher Helmut Hoff, der Bürgermeister der Gemeinde Mettlach, Daniel Kiefer, Dechant Bernd Schneider, der auch den Gottesdienst leitete, sowie die Bewohner und Mitarbeiter der Tagesförderstätte in Merchingen zu dem Festakt gekommen.

Bernd Seiwert überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Ministerpräsidentin. Er machte deutlich, dass die Caritas immer langfristig und kontinuierlich arbeite und die Landesregierung gerne mit dem Verband kooperiere. Es sei für die Behinderten sehr wichtig, auch mal von Zuhause raus zu kommen und in einer solchen Tagesförderstätte unterzukommen. Seiwert merkte an, dass ein Viertel aller Menschen im Saarland einen Grad der Behinderung haben. Daher sei das Behindertengleichstellungsgesetz momentan ein wichtiges Thema für die Landesregierung. Frank Wagner überbrachte die Grüße der Landrätin und machte dabei deutlich, dass hier in Merchingen schon seit 5 Jahrzehnten wertvolle Arbeit im Landkreis Merzig-Wadern geleistet werde.

Bürgermeister Marcus Hoffeld wies darauf hin, dass die Arbeit in der Tagesstätte sehr harmonisch sei. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Caritasverband, die Angehörigen und die zu Betreuenden hätten ein harmonisches Miteinander. Außerdem machte er deutlich, dass in Merchingen das Thema Inklusion schon immer gelebt werde. Merzig könne stolz sein, eine solche Einrichtung zu besitzen. Ortsvorsteher Helmut Hoff freute sich über das große Lob der Vorredner, wollte dieses Lob aber gleich an die Gemeinschaft zurückgeben. Hoff machte auch deutlich, dass mit dem Neubau der Tagesförderstätte der Ortsteil Merchingen aufgewertet wurde. Weitere Redner waren die Dienstellenleiterin der Caritas von Merzig, Sara Kuhn, die Direktorin des Diözesan-Caritasverbandes Trier und anschließend noch die Vertreter der örtlichen Vereine, die allesamt Grüße und Glückwünsche ihrer Mitglieder überbrachten.

Im weiteren Programm der Festveranstaltung wirkten der Merchinger Musikverein, der Merchinger Kindergarten mit Zauberer Kalibo und das Therapiehundeprojekt mit. Ebenso wurde eine Bastelecke für die Kinder eingerichtet und mit Unterstützung durch das DRK und die Landfrauen Merchingen wurde für das leibliche Wohl bestens gesorgt.

Die Tagesförderstätte in Merchingen besteht seit 1967. Anstoß für diese Einrichtung gab Anna Leistenschneider, die damalige Geschäftführerin des Caritasverbandes. Anfangs betreute man etwa 35 Kinder und noch keine Jugendlichen oder Erwachsene. Die Tagesförderstätte wurde zu Beginn in den Räumlichkeiten des Pfarrzentrums St. Josef untergebracht. 1975 erfolgte der Umzug in die heutige Sonderschule G und 1977 wurden dann die Räumlichkeiten des ehemaligen Pfarrhauses bezogen. Zu diesem Zeitpunkt betreute man nach wie vor nur Kinder. Im Laufe der Zeit wechselten die betreuten Kinder aus der Tagesförderstätte in die Sonderschule G. Nach Ablauf ihrer Schulzeit kehrte mancher Zögling wieder in die Tagesförderstätte zurück, weil sich herausgestellt hat, dass er nicht oder noch nicht in einer Werkstatt untergebracht werden konnte. So ergab sich ein ganz neues Arbeitsfeld. Diese Entwicklung begann etwa 1980/81. Die Kinder wurden dann von den Jugendlichen und Erwachsenen getrennt und in verschiedenen Gruppen altersentsprechend betreut und gefördert. Im Laufe der Zeit wuchs der Bedarf für erwachsene Menschen mit Behinderung nach einem Tagesförderstättenplatz. Im Sommer 2005 wurde der Zweig der heilpädagogischen Kindertagesstätte komplett aufgelöst und der Schwerpunkt generell auf die Betreuung von Jugendlichen und Erwachsenen gelegt.

Heute, nach einem weiteren Umzug in einen barrierefreien Neubau, betreut die Tagesförderstätte in der Regel neunzehn jugendliche oder erwachsene Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen. 

  • Wetter in Merzig

  • ° 00:00
Image