Nachbericht zur Lesung „Chaim Noll“

Mittwoch, 28 Oktober 2015

Innerhalb der hochkarätig besetzen Veranstaltungsreihe „50 Jahre Diplomatische Beziehungen Deutschland – Israel“ konnte die ehrenamtliche Beigeordnete Rosi Gruhn in Vertretung für Bürgermeister Marcus Hoffeld den Autoren Chaim Noll begrüßen.

Er stellte den ersten Teil seiner Autobiografie „Schmuggel über die Zeitgrenze“ vor und gab den Zuhörern interessante Einblicke in die Zeit seiner Kindheit und Jugend, die er als Sohn des bekannten DDR-Schriftstellers Dieter Noll, der zur privilegierten Führungsschicht des Landes gehörte, verbrachte.

Der Autor setzt sich hier auch mit dem politischen System im Osten des Landes, gegen das er als junger Mann rebellierte, auseinander.

Noll schmuggelte sein erstes Buch in kleinen, unauffälligen Seitenkonvoluten mit Hilfe eines Diplomaten außer Landes. Es gelang der Staatssicherheit nicht, sich seines Manuskriptes zu bemächtigen.

Im Winter 1983 stellte er einen Ausreiseantrag. Nach etlichen erfolglosen  Bekehrungsversuchen ließ die oberbeste Führungsriege ihn ziehen. Aber selbst in Westberlin war der lange Arm der Staatssicherheit zu spüren und machte ihm das Leben schwer.

Die DDR-Zeit wirkt bis heute nach, so erreichte die Ost-Schriftstellerin Monika Maron gerichtlich, dass er Stellen in seiner Autobiografie schwärzen musste.

Der Schriftsteller schilderte äußerst detailreich die Situation des Judentums in der DDR. Nach dem Krieg existierten nur noch fünf Gemeinden und nach außen hin durfte die Religion  nicht gelebt werden. Jeder Gemeinde stand eine Person vor, die darauf achtete, dass das Judentum durch Nichtausübung von Riten und Gebräuchen, verschwand, sprich, sich im atheistischen Arbeiter- und Bauernstatt von selbst erledigte.

Er selbst entdeckte seine jüdische Familiengeschichte erst, als er Berichte über seine Großmutter auffand. Sie war eine sehr couragierte Frau, die sich mit dem Staat angelegt hatte, der man Taten untergeschoben hatte und sie damit ins Zuchthaus brachte. Wer im Gefängnis saß konnte nicht in ein Konzentrationslager verbracht werden. Hier musste sie nur noch eine kurze Zeit verbringen und überlebte so die NS-Zeit.

Der Autor beantwortete  nach der Lesung  sehr ausführlich Fragen zum politischen und gesellschaftlichen Geschehen im modernen Israel sowie zur Historie.

Es gab eine etwa einstündige sehr lebendige Diskussion. Die Zuhörer erfuhren etliches über Israel, das in den Medien nicht dargestellt wird.

In der Veranstaltungsreihe „50 Jahre Diplomatische Beziehungen Deutschland – Israel“ ausgerichtet von der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft sowie zahlreichen Projektpartnern,unter Schirmherrschaft des Ministers für Bildung und Kultur Ulrich Commerçon, finden noch bis Ende November zahlreiche Vorträge, Ausstellungen und Konzerte statt.

Programminformationen erhalten Sie unter: www.saarland.de/50Jahre_DE-Israel.htm

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