Ergebnisse der Forsteinrichtung 2013

Dienstag, 8 Oktober 2013
Forsteinrichtung

Bei der Forsteinrichtung handelt es sich um eine Art Betriebsinventur und ein Instrument der mittelfristigen Planung, Steuerung und Kontrolle des Betriebes. Hierbei wurden Bäume auf über 1.200 Stichprobenpunkten gezählt und Daten über Baumarten, Durchmesser, Naturverjüngung, Tot- und Biotopholz und Wildverbiss erhoben.

Die Kreisstadt Merzig erhält mit der neuen Einrichtung ein qualitativ hochwertiges Werkzeug, mit dessen Hilfe in den kommenden 10 Jahren weiterhin zielgerichtet gearbeitet werden kann. Das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz hat sich an den Gesamtkosten von rund 125.000 € mit einem Zuschuss von rund 100.000 € beteiligt. Hierfür bedankte sich OB Dr. Lauer bei Herrn Forstdirektor Dr. Lehnhausen, der aus Gesundheitsgründen leider nicht an der Sitzung teilnehmen konnte.

Der Geschäftsleiter der Forstplanung des SaarForst Landesbetriebes, Herr Forstoberrat Erich Fritz, erläuterte das angewandte Verfahren sowie die Ergebnisse der Forsteinrichtung. Die für Merzig gewählte permanente Stichprobe ermögliche eine sehr präzise Schätzung der betrieblichen Eckdaten, wie z.B.  Baumartenverteilung, Zuwachs und Vorrat. In über 1200 dauerhaft markierten Stichprobenflächen, die in einer schematischen Verteilung über den gesamten städtischen Wald verteilt sind, wurden forstliche Daten, wie z.B. Baumartenverteilung, Durchmesser und Höhe der Bäume, Art und Umfang der natürlichen Verjüngung erhoben. Aufbauend auf diese Ergebnisse wurden zusammen mit dem städtischen Forstbetrieb Handlungsempfehlung und die in den kommenden 10 Jahren einzuschlagenden Holzmengen festgelegt. Besonders markant seien im Stadtwald der große Struktur- und Baumartenreichtum (über 40 Baumarten), der überdurchschnittlich hohe Vorrat und die auf großer Fläche bereits vorhandene Naturverjüngung. Negativ seien jedoch die hohen Verbissschäden an der Verjüngung und die damit einhergehende Entmischung der Baumarten. Dies stelle die Ziele eines naturnahen Waldbaus für die Zukunft teilweise in Frage und sei besonders vor dem Hintergrund der durch den Klimawandel zu erwartenden Veränderungen im Wald bedenklich. Weiterhin bemerkenswert sei der hohe Vorrat an Totholz und von durchschnittlich 9,3 Biotopbäumen/ha. Hier käme man den selbst gesteckten mittelfristigen Zielen von 10 Biotopbäumen/ha und 10 % des Vorrates als Tot- und Biotopholz schon sehr nahe.

Die Ergebnisse der Forsteinrichtung zeigten, dass der Forstbetrieb Merzig noch ein Aufbaubetrieb sei, d.h. der Wald im Mittel noch recht jung ist, dennoch artenreich und reizvoll. Er komme dem Ideal eines Dauerwaldes in seiner Altersstruktur, Stufigkeit und Vielfalt in vielen Teilen schon sehr nahe. Dies sei nicht zuletzt dem  zielorientierten Handeln und dem sorgsamen Umgang der forstlich Verantwortlichen mit dem „Kapital“ Wald zu verdanken. Der Stadtwald sei für jeden Waldbesucher ein attraktiver Erholungsraum, der zudem   allen Bürgerinnen und Bürgern der Kreisstadt Merzig sowohl ökonomisch als auch ökologisch zu Gute komme.Oberbürgermeister Dr. Alfons Lauer betonte, dass der Forstbetrieb Merzig in der beneidenswerten Situation sei, nennenswerte Mengen an Holz ernten zu können ohne den Vorrat zu gefährden und gleichzeitig den ökologischen und sozialen Belangen eines modernen Forstbetriebes gerecht zu werden. Dies sei die starke Form der Nachhaltigkeit.

Er betonte die Bedeutung dieser neuen Betriebsinventur nicht nur als Arbeitshilfe für den Forstbetrieb, sondern auch als Instrument für die Öffentlichkeitsarbeit. Außerdem habe man nun den neutralen Beleg, wie verantwortungsbewusst und zukunftsweisend von den Verantwortlichen mit dem städtischen Wald umgegangen werde. Zur Wildschadensproblematik im Wald werde sich der Merziger Forstbetrieb an einem bundesweiten Pilotprojekt (Wald-Wild-Initiative) beteiligen.

OB Dr. Lauer bedankte sich für die konstruktive Zusammenarbeit bei allen an der Forsteinrichtung beteiligten Personen beim Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, dem SaarForst Landesbetrieb, dem mit der Inventur beauftragte Büro „Le Bureau Vert“ sowie den städtischen Mitarbeitern, insbesondere den Revierförstern Brill und Conrath.

Im Stadtwald wachsen jährlich 25.000 Festmeter (fm) Holz zu, wovon 16.000 fm geerntet werden, also rund 65 % des gesamten Zuwachses (incl. der Referenzflächen). Dadurch kommt es zu einem weiteren Vorratsaufbau im Wald.

37 % der Fläche im Stadtwald sind bereits auf natürliche Art und Weise verjüngt (Sukzession).

Durch Reparationshiebe nach dem 2. Weltkrieg und die Massenverluste nach den schweren Stürmen 1990 hatte sich der Vorrat an Holz im städtischen Wald stark verringert. Dadurch, dass in den vergangenen 20 Jahren nur die Hälfte des Zuwachses geerntet  wurde, konnte der Vorrat wieder um 200.000 fm erhöht werden.

Der städtische Forst ist seit 15 Jahren von Naturland e.V., FSC und PEFC zertifiziert. Diese Zertifikate sichern eine neutrale externe Kontrolle der Waldbewirtschaftung. Es wird überprüft, dass der Stadtforst die selbst gewählten hohen ökologischen und sozialen Standards einhält und die ökonomischen Ziele erreicht.

Für die Umsetzung der dem städtischen Forstbetrieb gestellten Aufgaben sind zwei Diplom-Forstingenieure als Förster, ein Forstwirtschaftsmeister und 3 Forstwirte beschäftigt. Einige der Arbeiten, wie z.B. Teile der Holzernte, die Holzrückung, der Forstwegebau werden durch beauftragte Unternehmer ausgeführt. Der Forstbetrieb übernimmt neben der forstlichen Produktion von Holz gleichrangig die Sicherung des Waldes mit seinen Funktionen für Klima-, Wasser- und Bodenschutz sowie als wertvolles Ökosystem und Erholungsraum für den Menschen.

Weitere Aufgaben als Dienstleistung für die Bürgerinnen und Bürger im und um den Wald sind:

  • Bereitstellung von Brennholz
  • Verkehrssicherung entlang der Bebauung, von Straßen und WanderwegenBau und Unterhaltung von Erholungseinrichtungen und Wanderwegen im Wald
  • Öffentlichkeitsarbeit und Information in Schulen und Verbänden, Führungen und Schulungsangebote
  • Forst- und Jagdschutz      

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